Scheiße, ich bin schwanger! Das war tatsächlich mein erster Gedanke, als ich mit meinem positiven Schwangerschaftstest aus dem Bad gekommen bin. Alex saß gespannt auf der Couch und konnte die Antwort so recht nicht sofort auf meinem Gesicht ablesen. Aus den meisten Kinofilmen kennt man es ja eigentlich, dass die Frau freudestrahlend aus dem Bad rennt und die beiden sich umarmen und küssen.

So hatte ich es mir zwar auch immer vorgestellt, aber die Realität sah bei uns eeetwas anders aus. Fest davon überzeugt, dass ich nicht schwanger sein kann, betrat ich unser Badezimmer. Mit Selbstzweifeln und einem ungläubigen Gesichtsausdruck habe ich es wieder verlassen. Kacke! Das hätte ich doch gemerkt. Tatsächlich war ich zu dem Zeitpunkt bereits 6 Wochen schwanger und habe nichts davon gemerkt.

Ich war gerade dabei mir eine Selbstständigkeit als Hochzeitsfotografin aufzubauen und hatte alles andere im Kopf, als ein Baby. Von Morgens bis Abends und manchmal auch bis tief in die Nacht, habe ich an meinem Traum gearbeitet. Und das sollte jetzt plötzlich alles vorbei sein? Alles umsonst?

Damals dachte ich genau so und ich weiß, dass es vielen ähnlich geht. Wenn ich ehrlich bin, mochte ich Babys nicht. Ich habe mit ihnen irgendwie immer die Einschränkung meiner Freiheit, Stress und  wenig bis gar kein Schlaf verbunden.

Irgendwann wollte ich schon Mama werden, aber ganz bestimmt nicht jetzt!

Ich hatte bereits 7 Hochzeitsbuchungen für das nächste Jahr und eine Messe stand noch an. Ich entschied mich dafür, es einfach durchzuziehen. Ich war schon immer ein Arbeitstier und die Fotografie gibt mir zu viel, um einfach alles für mindestens ein Jahr hinzuschmeißen. Alex und unsere Familien standen hinter mir und alle haben mir ihre Unterstützung angeboten!

Insgesamt hatte ich dann 10 Buchungen (das war meine persönliche Grenze, wenn ich gewollt hätte, wären es 20 gewesen) für die kommende Saison und absolut keinen Plan, auf was ich mich da eingelassen habe! Ich dachte mir nur immer: „es wird schon alles gut!“ Auch wenn sehr oft Zweifel an meiner Entscheidung aufkamen, habe ich daran festgehalten. Ein Brautpaar, was schon fest gebucht hatte, hat sogar abgesagt, weil es ihnen zu viel Risiko war. Und viele andere haben gefragt, ob es nicht zu viel für mich ist und sie könnten es verstehen, wenn ich ihnen absage. Natürlich alles Situationen, die mich wieder zweifeln ließen. Bin ich zu egoistisch? Bin ich dann überhaupt eine gute Mutter? Wie läuft das dann mit dem Stillen? Schaff ich das?

Jetzt ist die Saison für mich fast beendet und ich möchte dir im folgenden 5 Dinge weitergeben, die ich in den letzten 5 Monaten von meinem Baby gelernt habe.

#1 Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht

Klingt irgendwie abgedroschen, weil es eine Floskel ist, die jeder oft benutzt. Aber ist wirklich so. Ich habe immer gedacht, es muss erst noch dieses oder jenes geschehen oder wenn ich x y z erreicht habe, dann… alles Blödsinn. Im Nachhinein bin ich dem Kleinen so unendlich dankbar, dass er einfach entschieden hat, dass jetzt der perfekte Zeitpunkt ist, obwohl ich Anfangs der Meinung war, dass es gerade keinen schlechteren Zeitpunkt für ein Baby gibt.

#2 Wenn das Problem da ist, gibt es auch eine Lösung

Wir Menschen haben irgendwie diese unglaubliche Gabe alles im Vorherein kaputt zu denken. Wir stellen uns die wildesten Dinge vor, wie unser Leben mit Baby dann wohl sein wird. Wir glauben, dass es das Leben, so wie es war nicht mehr gibt. In gewisser Weise stimmt das auch, denn das Leben wird so viel schöner. An der ein oder anderen Stelle natürlich mit mehr Planungsaufwand verbunden und vieles dauert einfach länger, aber im Grunde können wir alles machen, wonach uns der Sinn steht. Und das Leben, so wie es war, geht trotzdem weiter, nur kommt jetzt immer noch jemand mit.

Du bist ja trotzdem noch der gleiche Mensch. Mit den gleichen Zielen, Wünschen, Ansichten und Gewohnheiten.

Und wenn das Baby auf der Welt ist und man die Situation nun tatsächlich erfährt und erlebt, fallen einem Dinge und Lösungen ein, auf die wäre man früher gar nicht gekommen. Denn man führt plötzlich andere Gespräche, andere Menschen werden auf einen Aufmerksam, man tauscht sich mit anderen selbstständigen Muttis aus und stellt ganz andere Fragen.

Wir erschaffen also in unserem Geiste Probleme, die es gar nicht gibt. Und diese erschafften Probleme, lassen uns den Wunsch nach einem Kind immer weiter nach hinten schieben. So war es bei mir auch! Genau so.

Fakt ist, ich habe so unglaublich viel Unterstützung angeboten bekommen und Lösungen gefunden. Wenn ich ehrlich bin ärgere ich mich sogar ein klitzekleines bisschen, dass ich auf diese Lösungen nicht schon früher gekommen bin 😉

3# Auf die wesentlichen Dinge fokussieren

Wie wertvoll deine Zeit ist merkst du eigentlich erst, wenn du dich selbstständig machst. Plötzlich ist jede Stunde Arbeit pures Geld wert. Als Angestellter hat man dieses Denken eher nicht. Egal, wie sehr man sich ein Bein ausreißt, mehr Geld wird es in den meisten Fällen am Monatsende eh nicht. Doch wie wertvoll deine Zeit wirklich ist, merkst du erst, wenn du selbstständig bist und ein Baby hast. Da freust du dich, wie ein Schneekönig, wenn du mal 1 Stunde ohne Ablenkung etwas geschafft hast. Oder du wirst, so wie ich, zum Nachtarbeiter. Auf Aaron ist da zum Glück verlass, wenn er erst einmal eingeschlafen ist, pennt er mindestens 5 Stunden durch. Und das ist dann die Zeit, in der ich richtig Produktiv werde. Doch auf die Dauer halte ich diesen Schlafmangel auch nicht durch. Also bleibt mir durch den andauernden Zeitmangel, nur die Möglichkeit, die Aufgaben auf meiner To Do ganz klar zu priorisieren. An manchen Tagen blieben mir gerade mal zwei Stunden, um wirklich konzentriert zu arbeiten und Abends habe ich es doch bevorzugt zu schlafen, um den nächsten Tag einigermaßen zu überstehen. Jeder der schon mal Bilder sortiert und bearbeitet hat, weiß wie schnell zwei Stunden um sind.

Meine To Do Liste ist immer voll, und jeden Tag frage ich mich, wann ich das alles machen soll? Abarbeiten tue ich dann nach diesem Prinzip: Ich fokussiere mich auf die wichtigen Dinge.

Zuerst sortiere ich meine Aufgaben nach A, B und C. A sind alle Aufgaben, die mir Geld auf mein Konto bringen und damit fange ich an. B sind wichtige Aufgaben, die aber nicht jetzt und sofort erledigt werden müssen. Viele Dinge, die augenscheinlich wichtig sind, sind es gar nicht! Und C ist dann der ganze Rest, wenn alles andere erledigt ist. Auch wenn du kein Baby hast, macht dieses Zeitmanagement sehr viel Sinn!

4# Du musst nicht alles alleine machen/schaffen

Es ist eine tolle Vorstellung, sagen zu können, dass man sich sein Business ganz alleine aufgebaut hat. Doch ganz ehrlich macht das wenig sinn, ständig alles selbst zu machen. Ich habe das eine ganze Weile so gemacht und war sehr stolz darauf. Doch man arbeitet sich den Arsch ab und hat kaum Freizeit, das ist der Preis dafür. Auch wenn das nach außen hin keiner sieht oder denkt.

Für die Arbeiten zu Hause, habe ich dann nach einiger Zeit Conny in Teilzeit eingestellt. Sie übernimmt die `Basics`, sodass ich mich voll auf die Sachen, für die ich unersetzbar bin, konzentrieren konnte. Für die Einarbeitung macht man in Sachen Zeit natürlich erstmal ein paar Schritte zurück, aber langfristig läuft dann alles doppelt so schnell! Conny´s Aufgaben sind: E-Mails beantworten, Angebote schreiben, Vereinbarungen und Rechnungen schreiben, den alltäglichen Bürokram, ab und zu Bildbearbeitung und sie unterstützt mich auf den Messen und kümmert sich gelegentlich um Aaron. In Zukunft werde wir dann zusammen auf die Hochzeiten gehen. Sie ist für mich Gold wert!

Am Anfang der Saison habe ich die Bilder noch selbst bearbeitet. Nach einiger Zeit musste ich allerdings feststellen, dass ich mit den Hochzeiten weit hinterher hänge und habe mich schweren Herzens dafür entschieden die Bildbearbeitung ganz abzugeben. Ich habe das letztes Jahr auch schon einmal gemacht, als es eng wurde und war auch sehr zufrieden, allerdings war es mir immer eine Herzenssache, die Bilder selbst zu bearbeiten. Nun ja was soll ich sagen. Auch da habe ich meine Meinung mittlerweile geändert. Irgendwann stand ich vor der Entscheidung meine Brautpaare ewig auf ihre Bilder warten zu lassen oder die Bildbearbeitung abzugeben. Pro Image Editors ist für mich jetzt ebenfalls Gold wert! Bei einigen Reportagen, die ich zurück bekommen habe, dachte ich: „oh man, die bearbeiten die Bilder sogar besser, als ich!“ Echt wahr! Das ist so genial. Wenn ich mit einer Reportage nach Hause komme, sortiere ich alle Bilder aus und bearbeite 60-100 Bilder selbst, damit der Bearbeiter dort weiß, wie das Ergebnis aussehen soll. Dann geht’s ab zu Pro Image Editors… Bisher waren alle Ergebnisse perfekt und ich bin mega mega Happy und zufrieden.

5# Immer einen Plan B

Und das ’B’ Steht in diesem Falle für Backup! Aaron wurde ende April geboren und war nicht einmal zwei Monate, als ich meine erste Hochzeit hatte. Für die gesamte Saison 2017 habe ich immer eine zweite Fotografin dabei gehabt. Das war mir einfach sicherer. Ich habe mir tatsächlich die übelsten Szenarien ausgedacht, was alles passieren kann und wollte diese von Anfang an ausschließen. Zum Glück ist keines jemals eingetreten 🙂

In vorheriger Absprache mit dem Paar habe ich mir, wenn es notwendig war 20 Minuten Auszeit zum Abpumpen genommen und es hat alles wunderbar geklappt! Natürlich habe ich die Zeiten so gelegt, dass es zum Sektempfang oder Ähnlichem war, wo nicht unbedingt zwei Fotografinnen anwesend sein mussten.

Rückblickend würde ich alles wieder genau so machen. Wenn ich mir jetzt vorstelle, eine Helikopter-Mom zu sein, dann würde ich ganz sicher durchdrehen. (Helikopter-Mom´s kreisen den ganzen Tag über ihrem Baby und haben nur dieses eine Thema) Nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen Frauen, die es erfüllt sich ausschließlich um ihr Kind zu kümmern. Ganz im Gegenteil! Ich freue mich, wenn sie darin ihre Erfüllung finden. Ich freue mich generell für jeden, der seine Erfüllung in etwas gefunden hat! Meine Erfüllung finde ich in der Fotografie. Sie macht mich glücklich und ich kann jeden Abend voller Freude in mein Bettchen gehen. Ich bin einfach nicht der 24/7 Mama Typ. Ich liebe meinen kleinen Aaron über alles. Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass ein Baby eine glückliche Mom braucht! Denn wenn Mama genervt, unglücklich und unzufrieden mit sich und ihrem Leben ist, dann überträgt sich das auch auf das Baby.

Ja, ich gebe ganz offen zu: Ich war mit Aaron nicht beim Babyschwimmen, auch nicht bei der Babymassage und auch nicht 3 Stunden täglich im Park. Ich habe mich lieber darum gekümmert, dass mein Laden läuft, denn genau das ist es, was mich glücklich macht.

Und nun mein Schlusswort zu diesem Beitrag:

WENN MAN ETWAS WIRKLICH WILL, SCHAFFT MAN ES AUCH! Und ein Baby ist wirklich das Schönste, was es gibt und sofern man eine Familie gründen möchte sollte man das nicht wegen Arbeit oder Karriere verschieben! Das ist das Allerwichtigste, was mir mein kleiner Sohn beigebracht hat. Und es gibt unheimlich viele Info´s dazu im Netz und auch Facebook Gruppen, in denen sich ’Working-Moms’ und ’Working-Moms to be’ austauschen können. Im Endeffekt muss aber jeder seinen eigenen Weg finden und es gibt da weder falsch noch richtig! Fakt ist dennoch, dass die Zeit, in der wir Frauen schwanger werden können, begrenzt ist ;P

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